Eva liest

Red Rising 1

“You do not follow me because I am the strongest. Pax is. You do not follow me because I am the brightest. Mustang is. You follow me because you do not know where you are going. I do.” 

Red Rising

Der Klappentext

Wenn du Gerechtigkeit willst, musst du dafür kämpfen!

Der junge Darrow lebt in einer Welt, in der die Menschheit die Erde verlassen und die Planeten erobert hat. Bei der Besiedlung des Mars kommt ihm eine wichtige Aufgabe zu, das jedenfalls glaubt Darrow, der in den Minen im Untergrund schuftet, um eines Tages die Oberfläche des Mars bewohnbar zu machen. Doch dann erkennt er, dass er und seine Leidensgenossen von einer herrschenden Klasse ausgebeutet werden. Denn der Mars ist längst erschlossen, und die Oberschicht lebt in luxuriösen Städten inmitten üppiger Parklandschaften. Sein tief verwurzelter Gerechtigkeitssinn lässt Darrow nur eine Wahl: sich gegen die Unterdrücker aufzulehnen. Dabei führt ihn sein Weg zunächst ins Zentrum der Macht. Der unerschrockene Darrow schleust sich in ihr sagenumwobenes Institut ein, in dem die Elite herangezogen wird. Denn um sie vernichtend schlagen zu können, muss er einer von ihnen werden …

Erschienen ist das Hörbuch von Pierce Brown im Ronin Hörverlag und wird gelesen von Marco Sven Reinbold. Das Buch Red Rising ist der Auftakt einer Trilogie, welche 2018 mit einem vierten Band Asche zu Asche weiter geführt wurde. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Ronin Hörverlag, der mir das Hörbuch zur Auftaktserie zur Verfügung gestellt hat.

Der Inhalt

Red Rising ist mein allererster richtiger SciFi Roman/Dystopie/Ausflug, wie auch immer man es nennen mag. Es war ein ungewohntes Terrain für mich, da ich doch eher aus der seichten Fantasy Ecke á la Sarah J. Maas, Leigh Bardugo und Cassandra Clare komme. Die derbe, männliche und nichts verschönernde Sprache hat es mir zu Beginn nicht leicht gemacht, meinen Weg durch dieses Hörbuch zu finden. Auch war es sehr mühsam für mich, diesem außergewöhnlich detailliertem Worldbuilding zu folgen. Stellenweise muss ich wirklich sagen, war es echt ermüdend Darrow zu folgen. Vielleicht lag es auch daran, dass es nun mal ein Hörbuch war, welches ich bei alltäglichen Dingen gehört habe und so vielleicht ab und an zu abgelenkt war. Vielleicht lag es auch an der Stimme des Erzählers, an die ich mich erst mal gewöhnen musste. Es hat lange gedauert, bis ich seine Art der Vertonung akzeptiert hatte, denn gerade in den weiblichen Stimmen hatte er mich eher abgeschreckt, als eingelullt. Aber all das kann natürlich daran liegen, dass ich nicht im SciFi „zu Hause“ bin und ich so diese Welt erst einmal kennen lernen musste. Denn nach etwa der Hälfte des Buches, war ich gefangen (aber noch immer nicht von der Vertonung der weiblichen Textpassagen des Sprechers).

Ich bin nach wie vor begeistert von der Welt und den Charakteren, die Pierce Brown hier erschaffen hat. Er geht so tief ins Detail, dass man wirklich das Blut, den Schweiß und die Angst riechen kann, die Darrow und seine Mitstreiter tagtäglich erleben müssen. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto tiefer wurde ich in den Sumpf dieses intriganten, meuchelnden und alles verzehrenden „Spiels“ um den Primus aller Häuser hineingezogen. Ich wusste selbst nicht mehr, wem ich noch trauen kann, und wem nicht. Ich hatte mit jeder Minute mehr Angst, einen (mittlerweile) lieb gewonnen Charakter zu verlieren und vor allem bis ins kleinste Detail zu erfahren, wie er oder sie nun sterben muss. Und gerade das hat mich gleichzeitig erschreckt und begeistert. In Red Rising wird nichts verblümt oder verschönt dargestellt. Es wird nicht mit Flüchen, rauen Worten oder Umgangsformen gegeizt. Vor allem wird nicht an der Darstellung von Gewalt und Blut gespart. Dieses Buch ist so herrlich ehrlich, dass alles andere, was ich danach gelesen habe, wie ein Kindergeburtstag gewirkt hat.

Der Spannungsbogen wird hier so langsam und gezielt aufgebaut, dass man als Leser / Hörer am Ende der Geschichte selbst gespannt ist wie eine Bogensehne, um dann letztendlich am langen Ende zu verhungern. Gerade das Ende hat mir sehr gut gefallen, wenn auch das ein oder andere etwas zu schnell über die Bühne gebracht wurde, so gab es doch auf einmal Erkenntnisse, die mich laut aufschreien haben lassen (gut, ich habe nicht wirklich geschrien, eher habe ich die Augen weit aufgerissen und so eine Gesichtsentgleisung in der Öffentlichkeit einem lauten Schrei vorgezogen). Es war ein phantastischer und nicht vorhersehbarer Plottwist. Ganz großes Kino!

Und Darrow selbst? Ich gestehe, er hat mich irgendwann genervt, gelangweilt und wieder versöhnlich gestimmt. Der arme kleine talentierte Rote, der in der Erde des Mars am tiefsten und am gefährlichsten Bohren konnte. Der sich von allen ungerecht behandelt fühlt und eine dauerhafte Wut in sich trägt, die leicht an Egozentrik heranreichte. Es war irgendwann zu viel. Ich konnte seine Selbstgeißelung und seinen Selbsthass und den Hass auf alle Golden nicht mehr hören. Seine Blindheit hat mich irgendwann dazu gebracht zu denken, dass er all das und noch viel mehr wirklich verdient hatte. Und er hat bezahlt. Er hat so viel für sein überhebliches Verhalten bezahlt, dass ich am Ende wieder versöhnlich gestimmt war, ich habe mich tatsächlich gefreut, dass er den richtigen Weg wiedergefunden hatte. Und ab da hatte ich wirklich Spaß an dem drecksverdammten Buch. Ich hatte Spaß daran, hinters Licht geführt zu werden; hatte Spaß daran zu glauben, keiner würde das hier überleben (mich eingeschlossen); hatte Spaß daran in aller Brutalität den Überlebenskampf von Darrow zu verfolgen und hatte Spaß daran, zu sehen was am Ende dabei rauskommt, wenn man anderen Menschen vertraut und sie als gleichgestellte anerkennt.

Leseempfehlung?

Es war eine fantastische Reise in ein für mich unbekanntes Genre voller SciFi Elemente, voller ehrlicher und brutaler Worte. Wenn man sich mal drauf eingelassen hat, dann wird man von Pierce Brown alles andere als enttäuscht. Denn dann läd er dich ein, Teil von etwas ganz Großem, zu sein. Von etwas, was man noch gar nicht in seiner Ganzheit erfassen kann.

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© 2019 Eva liest

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