Eva liest

Noam – Ein Junge, zwei Welten

Mona und Jacob haben die perfekte Beziehung. Nur die Sache mit dem unerfüllten Kinderwunsch – die macht ihnen zu schaffen. Doch dann setzt ein ungewöhnlicher Auftrag in Jacobs Werbeagentur eine Verkettung von Ereignissen in Gang, die dazu führt, dass ein geheimnisvoller Junge in das Leben des Paares tritt.

Noam, über den nichts bekannt ist, außer dass er am Strand gefunden wurde, entführt seine neuen Eltern aus ihrem Alltag und nimmt sie mir auf eine fantastische Reise. Nach Afrika, Island – und zu sich selbst.

Veröffentlicht wurde der Roman von Christian Schröder im neu gegründeten Verlag Love is all you read, welcher mir dieses Rezensionsexemplar freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Dafür vielen Dank.

Ich habe erst einmal ein paar Tage gebraucht, um diese Geschichte zu verdauen. Denn so leicht und geheimnisvoll sich der Klappentext lesen lässt, sie viel Inhalt gibt uns der Autor mit auf den Weg. Der Einstieg in das Buch war schnell geschafft, gerade weil es sich so leicht und gut lesen lässt. Der Autor versteht es, in seinem Debütroman nicht mit langen Schachtelsätzen um sich zu werfen, sondern mit alltäglicher Sprache den Leser gleich zu Beginn an seine Seite zu holen. Mona und Jacob sind ein sehr sympathisches Paar und könnten so in jedem Freundes- und Bekanntenkreis existieren. Der Umstand, dass sie keine Kinder bekommen können, ist ein Ereignis, welches tagtäglich hunderte von Paaren betrifft und so schafft der Autor gleich eine reelle Verbindung zu dem Buch; was gerade deshalb so wichtig ist, da Noam alles andere als “normal” ist.

Und da kommen wir auch gleich zu dem Punkt, weshalb ich ein paar Tage zum verdauen gebraucht habe. Noam ist wunderbar! Und dennoch nimmt man dem Autor nicht so richtig ab, dass es sich hier um einen fünfjährigen Jungen halten soll. Das Verhalten von Noam ist alles andere als das eines klassischen Vorschulkindes und auch wenn Jacob damit umzugehen weiß, finde ich Mona etwas blass charakterisiert, da sie in Noam durchweg den kleinen, fünfjährigen Jungen sieht, den uns der Autor hier weis machen möchte. Wir lernen im Fortgang der Geschichte sehr viel über Noam und seine Beziehung zu Mona als Mutter und seine besondere Beziehung zu Jacob als Vater und Freund. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf der Beziehung zwischen Vater und Sohn und gerade diese Bindung wird sehr tief und eingehend behandelt. Jacob entwickelt sich dank Noam zu einem tieferen Menschen, der sein Leben und seine Umgebung besser und tiefgründiger wahrnimmt und nicht mehr auf das rein oberflächliche fixiert ist. In Mona weckt Noam das Mutterglück und lässt sie so von Innen heraus wieder strahlen und leben. Noam ist für beide eine absolute Bereicherung, und dennoch war sein Charakter für mich nicht rund. Ich habe mich an einigen Handlungen gestört und besonders war es der Punkt, das Mona auf das Mutterdasein und die Blinde Liebe einer Mutter zu ihrem Sohn “reduziert” wurde. Auch wenn es das war, was sie in diesem Moment gebraucht hat, war ihre Entwicklung für mich die Schwächste.

Was überhaupt nicht zur Geschichte von Mona, Jacob und Noam gepasst hat, war das Zwischenereignis in Afrika. Vielleicht habe ich auch die tiefere Bedeutung dessen nicht im Zusammenhang mit Mona und Jacob verstanden, aber aus meiner Sicht hätte es das nicht gebraucht. Auch mit dem Ende kann ich mich nicht anfreunden. Absolut nicht und ohne zu viel vorweg zu nehmen kann ich sagen, das hier Mona nicht die Anerkennung bekommen hat, die sie verdient hätte.

Alles in allem ist es dennoch ein gelungenes Debüt von Christian Schröder und einmal angefangen, liest sich das Buch wunderschön in einem Rutsch weg. Man wird in eine Welt mitgenommen, die man durch den Alltagsstress viel zu sehr vergisst und nicht mehr wahrnimmt. Man wird an das Besondere im Leben erinnert, das man sein Dasein mehr auf das Wesentliche und weniger auf das Alltägliche konzentrieren sollte. Auch wenn das Buch für mich seine Schwächen und Ungereimtheiten hatte, war es dennoch eine Unterhaltsame und vor allem lehrreiche Lektüre, die viel Interessantes zur bieten hatte.

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2018 Eva liest

Thema von Anders Norén