Eva liest

Niemalswelt

„Diese Monumentalen Augenblicke unserer Kindheit sind nur eine Biegung des Flusses, eine enge Kurve voller Felsen, sodass du nicht weit sehen kannst. Der Fluss rauscht weiter, über Strecken, die wir uns gar nicht vorstellen können.“

Niemalswelt, Marisha Pessl

Der Klappentext

Seit Jims ungeklärten Tod hat Bee keinen von ihren Freunden mehr gesprochen. Als sich die fünf ein Jahr später in einem noblen Wochenendhaus an der Küste Wiedertreffen, entgehen sie nachts nur knapp einem Autounfall. Unter Schock und vom Regen durchnässt kehren sie ins Haus zurück. Doch dann klopft ein geheimnisvoller Unbekannter an die Tür und eröffnet ihnen das Unfassbare: Der Unfall ist doch passiert und es gibt nur einen Überlebenden. Die Freunde sind in einer Zeitschleife zwischen Tod und Leben gefangen, in der sie dieselben elf Stunden immer wieder durchlaufen – bis sie sich geeinigt haben, wer von Ihnen überlebt.

Der Schlüssel zur Entscheidung scheint Jims Tod zu sein – in ihrer Verzweiflung beginnen die Freunde nachzuforschen, was wirklich mit ihm passiert ist., in jener Nacht, in der er in Steinbruch stürzte. Und langsam wird klar, dass sie alle etwas zu verbergen haben … 

Geschrieben wurde das Buch von Marisha Pessel und erscheint am 22.03.2019 im Carlsenverlag. An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an den Verlag, dass sie mir vorab ein Leseexemplar haben zukommen lassen.

Der Inhalt

Seit langem hatte ich mit Niemalswelt wieder ein Buch in der Hand, welches in einem Rutsch so weg gelesen werden konnte und welches mich von Beginn an direkt in seinen Fängen hatte. Dieses Buch ist ein wunderbarer mystery Thriller á la „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ kombiniert mit einer kleinen Würze „Sherlock Holmes“ und „Doctor Who“. Ich habe dieses Buch geliebt und kann schon jetzt sagen, dass es zu meinen Lesehighlights 2019 zählen wird. Doch der Reihe nach.

Nach Jims Tod haben die fünf Freunde Bee, Martha, Whitley, Kipling und Cannon von jetzt auf gleich keinen Kontakt mehr zueinander. Oder vielmehr, Bee hält keinen Kontakt mehr zu ihren Freunden. Jims Tod hat sie vollkommen aus der Fassung gebracht, sodass sie erstmal Abstand von allem gebraucht hat. Bis zu jenem Abend, als Bee beschließt der Einladung Whitleys zu folgen und ihre Freunde im Strandhaus zu besuchen. Sie möchte Antworten auf Fragen, die mit Jims Tod zusammenhängen und die nur ihre alten Freunde kennen können. Doch die sind erstmal so gar nicht daran interessiert, mit Bee über Jim zu reden. Bis der Wächter kommt….

Ich war erstaunt darüber, wie sehr man sich doch selbst beim Lesen immer wieder über die Schulter schauen kann, weil man das Gefühl hat, man wird beobachtet. Aber genau das habe ich gefühlt andauernd getan! Ich war von dem mystischen Erscheinen des Wächsters mehr als gefesselt und konnte mein Herz förmlich aus mir heraus hüpfen hören und sehen. Bis zum Schluss konnte ich mir keinen Reim aus der ganzen Geschichte machen und bin buchstäblich aus den Latschen gekippt, weil ich mit einem solchen Ende absolut nicht gerechnet hatte. Das gesamte Buch ist ein einziger Spannungsbogen der nicht abreißen will und vor dem man nicht entkommen kann. Auf keiner Seite fühlte ich mich gelangweilt, müde, oder ertappte mich dabei, dass meine Gedanken abgedriftet sind. Der Wächter hat mir gar keine Chance dazu gegeben. Und das finde ich absolut erstrebenswert, wenn ich ein Buch lese. Niemalswelt ist ein absoluter Pageturner.

Besonders faszinierend fand ich, wie die Autorin die Charaktere ausgearbeitet und entwickelt hat. Was anfangs noch wie eine Freundschaft zwischen fünf ganz normalen Jugendlichen ausgesehen hat, hat am Ende des Buches ein ganz anderen Charakter erhalten. Man ist beim Lesen mit den Figuren gewachsen. Man hat ihre Beweggründe angefangen zu hinterfragen, hat ihnen förmlich entgegen geschrieen, dass alles ein Fehler ist was sie machen. Und hat sich am Ende gefragt, ob das tatsächlich noch die gleichen Personen wie zu Beginn des Buches sind. Sie sind es nicht.

Der gesamte Aufenthalt in der Niemalswelt ist absolut fantastisch von der Autorin inszeniert. Erleben die fünf Freunde die gleichen 11 Stunden immer und immer wieder, ist der Tag für alle beteiligten in der Welt jedes Mal ein Neuer. Diese Tatsache bringt einen gewissen Charme hinein. Nach dem Motto „Try and Error“ können die fünf sich also auf die Suche dem wahren Grund für Jims Tod machen und kommen am Ende auf eine ganz unerwartete Fährte.

Was ich so auch noch nicht empfunden habe, war die Begierde nach einem Buch, welches gar nicht existiert! „Das Dunkle Haus an der Anderswokurve“. Dieses Buch war so präsent in der gesamten Geschichte und hat eben die Grundlage für einfach alles gebildet, dass ich es liebend gerne selbst lesen mochte. Es klang genauso faszinierend und spannend und atemberaubend, wie Niemalswelt selbst. Ein Buch im Buch das meine Aufmerksamkeit in voller Gänze erringen wollte und sie auch bekam. Grandios.

Leseempfehlung?

Ich danke der Autorin für dieses unbeschreibliche Leseereignis. Für die Spannung, den Nervenkitzel, die Liebe, die Fassungslosigkeit und die Leidenschaft die sie in dieses Buch gesteckt hat. Mit jeder Seite steigern sich die Emotionen des Lesers und der Protagonisten, bis sie am Ende in einem lauten Knall sich Luft machen. Und das Ende, es war ein herzzerreißendes und absolut emotionales Ende. Packt die Taschentücher aus. Wer ein zartes Nervenkostüm hat, wird sie brauchen.

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