Eva liest

Die unendliche Geschichte

Wer niemals offen oder im geheimen bitterliche Tränen vergossen hat, weil eine wunderbare Geschichte zu Ende ging und man Abschied nehmen musste von den Gestalten, mit denen man gemeinsam so viele Abenteuer erlebt hatte, die man liebte und bewunderte, um die man gebangt und für die man gehofft hatte, und ohne deren Gesellschaft einem das Leben leer und sinnlos schien – 

Wer nichts von alledem aus eigener Erfahrung kennt, nun, der wird wahrscheinlich nicht begreifen können, was Bastian jetzt tat. 

Die unendliche geschichte

Der Klappentext

Bastian Balthasar Bux entdeckt in einem Antiquariat ein Buch, das ihn auf magische Weise anzieht:

DIE UNDENDLICHE GESCHICHTE

Er liest vom Reich Phantásien, in dem sich auf unheimliche Weise das Nichts immer weiter ausbreitet. Schuld daran ist die geheimnisvolle Krankheit der Kindlichen Kaiserin, die einen neuen Namen braucht, um gesund zu werden. Den kann ihr aber nur ein Menschenkind geben. Sollte Bastian selbst jenes Kind sein, das Phantásien zu retten vermag? Zusammen mit dem jungen Krieger Atréju und dem Glücksdrachen Fuchur begibt er sich auf eine Reise in der bald jede Minute zählt.

Der Inhalt

Erschienen ist die Unendliche Geschichte von Michael Ende bereits vor 40 Jahren in Thienemann Verlag. Zum 40 jährigen Jubiläum wurde das Buch erneut im Thienemann-Esslinger Verlag mit neuer Gestaltung herausgebracht. An dieser Stelle mein herzliches Dankeschön, dass ich ein Rezensionsexemplar dieses Jugendbuchklassikers vom Verlag erhalten habe und ich so nochmal in meine Kindheit zurück reisen konnte.

Die Unendliche Geschichte ist ein ganz besonderes Buch für mich. Seit Jahrzenten (ja, es sind mittlerweile zweistellige Jahreszahlen) trauere ich diesem Buch hinterher, welches ich von einer Freundin ausgeliehen, gelesen, geliebt und wieder zurück gegeben habe. Niemals in den vergangenen Jahren habe ich mir dieses Buch gekauft, dabei weiß ich bis heute nicht, warum! Schon damals hat mich der kleine knubbelige Bastian, der verloren und einsam auf dem Speicher der Schule sitzt und liest, tief berührt. Er hatte keine Freunde, seine Mutter ist verstorben und der Vater sitzt in seiner Trauer fest, wo er ohne Bastians Hilfe nicht heraus kommt. Aber er ist ein Kind und weiß von all diesen Dingen nichts, er kann sich nur in diese Geschichte flüchten die ihn am Ende als ein anderer Bastian wieder loslassen wird.

Die Reise von Bastian ist einfach nur einmalig und fantastisch und Michael Ende versteht es wir kein anderer eine völlig neue Welt zu erschaffen, in der sich Kinder frei und unbeschwert bewegen können. Dabei aber auch auf so manches gefährliche Abenteuer stoßen, Rätsel lösen müssen und dabei so ganz nebenbei ein kleines Stück erwachsen werden. Der Schreibstil ist so herrlich leicht und gleichzeitig faszinierend, dass man es sich leicht vorstellen kann, dass dieses Buch eben nicht nur für Kinder und Jugendliche wichtig sein kann, sondern ganz besonders auch für Erwachsene. Wenn man ganz genau dieses Buch liest kann man sich das ein oder andere auf sein eigenes Leben projizieren. Nicht alles ist Gold, was glänzt und man kann sehr schnell auf die schiefe Bahn geraten, wenn man sich dem Hochmut, dem Egoismus und der Eifersucht zu sehr hingibt und von falschen Freunden bewusst in eine Richtung gedrängt wird, die nicht die Beste ist.  Wahre Freunde sind neben der Familie das wichtigste im Leben; sie geben einem Halt, stehen mit Rat und Tat zur Seite und helfen in allen Lebenslagen, auch wenn man es vielleicht gerade nicht bewusst wahrnimmt. Bastian hat all diese Erfahrungen machen müssen und ich muss sagen, dass ich ihn zuweilen nicht leiden konnte. Bastian kommt als Retter nach Phantásien und macht eine Entwicklung durch, die alles andere als schön und klug ist. Aber auch das gehört zum erwachsen werden dazu und Bastian lernt glücklicherweise früh genug aus seinen Fehlern.

Leseempfehlung?

Die Unendliche Geschichte sollte einfach in jedem Bücherregal stehen und egal ob groß oder klein, alt oder jung, dieses Buch lehrt uns alle was. Es begleitet Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum erwachsen werden und zeigt Erwachsenen, dass sie niemals vergessen sollten, dass auch sie Kinder waren und im Innern immer ein Teil von ihnen ein Kind bleiben wird. Ich denke, diese Botschaft von Michael Ende ist ganz wichtig und sollte immer weiter von Kind zu Kind und Erwachsenen getragen werden. Michael Ende ist wichtig. Die Unendliche Geschichte ist wichtig. Und vor allem ist Bastian Balthasar Bux wichtig, denn durch ihn lernen wir in der Unendlichen Geschichte so unglaublich viel, auch über uns selbst. Und gerade das hat mich tief bewegt, als ich das Buch beendet hatte. Denn obwohl ich die Geschichte bereits als Jugendliche gelesen und auch den Film gesehen habe, konnte ich mich nur an die erste Hälfte des Buches erinnern. Alles, was nach Bastians Reise nach Phantásien geschehen ist, war absolut neu für mich! Und ist es ein Wunder, das gerade der Teil, der von Bastians erwachsen werden und den damit einhergehenden Fehlern erzählt, mir nicht mehr bekannt ist? Hat mein Jugendliches Ich bewusst diesen Part vergessen? Oder habe ich ihn damals einfach nur nicht verstanden? Heute verstehe ich dieses Buch wesentlich besser. Es unterhält mich nicht nur, sondern zeigt mir auch auf, das Fehler menschlich sind. Das wir nicht perfekt sind und darauf vertrauen können, dass wir immer aufgefangen werden, wenn wir fallen. Also danke, Michael Ende, für die Unendliche Geschichte.

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